Filmdetail

Synopsis
  • Zwei Jahre lang war er untergetaucht, hatte als Ali Levent Sinirloglu eine neue Identität angenommen, sprach selbst im Traum nur noch gebrochen Deutsch. Er versuchte sich als Knecht auf einem Bauernhof, bei McDonalds, auf Baustellen, schließlich als Leiharbeiter, nahm jede Arbeit an, die ihm als Türken angeboten wurde.

    Was er dabei erlebt hat, ist erschütternd und fast nicht zu glauben. Aber Wallraff hat aus den Reaktionen auf seine bisherigen Arbeiten gelernt und das Unfaßbare mit einer Videokamera aufzeichnen lassen, die sein Freund und Regisseur Jörg Gfrörer - als griechischer Leiharbeiter ihn begleitend - fast immer versteckt in seiner Arbeitstasche mit sich führte. Ergänzt wurde dieses Schwarz-Weiß-Material durch die Aufnahmen unseres Video-Teams, das Wallraff während der zwei Jahre gelegentlich dort begleitet hat, wo es nicht auffiel. Aus etwa hundert Stunden Videomaterial sind am Ende hundertsechs Minuten Film geschnitten worden.

    Sie liefern den Beweis für die Ungeheuerlichkeiten, die Wallraff als Ali erfahren hat: Bundesweit operieren Firmen, die Arbeiter, meist Ausländer, gegen Hungerlöhne beschäftigen und sie an große Konzerne bis hin zur Thyssen AG verleihen. Wallraff nannte das \"modernen Sklavenhandel\".Die \"Sklavenhändler\" mobilisierten denn auch, noch bevor der Dokumentarfilm fertig war, Staatsanwaltschaft und Polizei. Die durchsuchten unsere Produktionsräume und privaten Wohnungen auf der Suche nach den Videocassetten mit den Beweisen für Wallraffs Bericht über seine Erfahrungen im Buch. Wir waren nämlich so leichtsinnig gewesen, Monate vor Fertigstellung des langen Films, Ausschnitte davon Franz Alt von REPORT Baden Baden für eine Sendung und anschließende life-Interviews mit Thyssen-Vorstandsmitglied Dr. Ekkehard Schulz und dem an Thyssen Türken vermietende Menschenhändler Hans Vogel zur Verfügung zu stellen.

    Trotzdem - die Cassetten wurden nicht gefunden - war Radio Bremen bereit, den Film am 1. Mai 1986 im Ersten Programm zu senden. In der Woche vor dem Sendetermin kippten die ARD-Programmdirektoren den Film, der in den Rundfunkzeitschriften bereits angekündigt war, aus dem Programm. Die deutschen Fernsehzuschauer bekamen ihn erst im Oktober 1988 auf dem, von uns für solche und ähnliche Fälle gegründeten unabhängigen Fensterprogramm KANAL 4 zu sehen.In den zwei Jahren davor lief er in Deutschland im Kino und weltweit - von Japan bis zur Türkei, von Frankreich bis zur UdSSR - im Fernsehen.

    Wir erhielten dafür den Preis der Internationalen Jury beim Dok-Film-Festival in Leipzig, in Frankreich den Prix Jean d\'Arcy und - von Prinzessin Margret in London persönlich überreicht - den British Academy Award.Eine Aufzeichnung der REPORT-Sendung und andere TV-Sendungen, die sich mit Wallraff und unserem Film befassen, finden Sie unter Günter Wallraff, Franz Alt und Zweitleben. Überschriften / Schlagzeilen zum Film, den einige Kritiker als "Spielfilm" bezeichnen, anläßlich des Kino-Starts:"Kölner Stadt-Anzeiger": Ermittlung gegen Wallraff-Film, Wallraff-Erfolg "beispiellos", Strafanzeige gegen \"Ganz unten\"-Filmverleih\"NRZ\": Anklage gegen Hauptpersonen aus "Ganz unten\", "Süddeutsche Zeitung\": Das Phantastische der Wirklichkeit, \"Kölnische Rundschau\":Fern wie der Amazonas, \"Frankfurter Rundschau\": Auf einen Zeugen wie Wallraff warten sie schon lange, \"Hannoversche Allgemeine\": Aus der Schattenwelt, \"Unsere Zeit\": Wallraff-Enthüllung - Stoiber: Zensur gegen TV-Film. EXPRESS: Klage gegen Wallraff-Film, taz: Thyssen-Sprecher löst bei Stahlarbeitern Empörung aus, DIE ZEIT: Kino, ganz unten, \"Stuttgarter Zeitung\": Eine Zumutung in jeder Hinsicht, FAZ: Wallraffs Klagen, Spektrum Film: Wallraff - Der Film zum Buch, KStA: Vor Gericht gab der Kläger auf, Biedenkopf beruft sich beim Filzvorwurf auf Wallraff.EXPRESS: Günter Wallraffs Wohnung zwei Stunden durchsucht, Außer bei Wallraff waren Einsatzkommandos gleichzeitig in Köln bei seinem Filmregisseur Peter Kleinert und in dessen Studio KAOS-Film. Die vierte Durchsuchung gab es in der Berliner Wohnung des Filmproduzenten Gfrörer. (Anmerkung: Da hat EXPRESS, wie häufig, mal wieder einiges durcheinandergebracht.)
Crew
  • Regie: Jörg Gfrörer, Günter Wallraff
  • Kamera: Jörg Gfrörer, Dieter Oeckel
  • Schnitt: Peter Kleinert
    • Produktion: Kaos Film- und Videoteam GmbH
Awards
  • (1986) Preis der internationales Jury Leipzig, Leipzig
  • (1986) British Academy Award, London
  • (1986) Prix Jean D'Arcy, Paris
Festivals
  • (1986) Internationales Dokumentar- und Kurzfilmfestival, Leipzig

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